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Archive for März 2009

Seit langem überfällig, findet er nun statt: der Abgang von Bahnchef Mehdorn. Die jüngsten Ermittlungsergebnisse der Untersuchungskommission im Datenskandal der Deutschen Bahn waren dabei nur der heiße Tropfen auf den Stein. Sein Ende verdankt Mehdorn vielmehr seiner Fähigkeit, mit brüsker und selbstherrlicher Managerattitüde seine Herren, die Politiker, gegen sich aufzubringen – und das, finden inzwischen selbst Unionsvertreter, gehört sich nun wirklich nicht für den Chef eines halbstaatlichen Unternehmens. In Zeiten der Finanzkrise haben Manager ohnehin im Volk keinen Ruf zu verlieren, und ein Mann wie Mehdorn, der bei der Bahn Schaltergebühren einführen wollte und auch bei wochenlangen Streiks lieber sein Ego am Verhandlungstisch pflegte als die zarte Seele entnervter Bahnpassagiere, eignet sich ideal als Bauernopfer im Vorwahlkampf.   

Das hat nun zu einer erstaunlichen Kehrtwende geführt. Bisher galt nämlich: Merkel will Mehdorn bis nach der Bundestagswahl halten, um dann mit neuen Mehrheiten einen unionsnahen Mann als neuen Bahnchef zu installieren. Mit der Zurückhaltung ist es nun vorbei. Nicht nur die SPD hatte Mehdorn schon vor Wochen „zum Abschuss freigegeben“, wie mir ein Mitglied des parlamentarischen Verkehrsausschusses verriet, auch Unionsgranden wie Fraktionsvize Bosbach hatten sich auf Bahnmanager eingeschossen. Das Überwachungssystem der Bahn habe die „Qualität der Normannenstraße“ lautet das vernichtende Fazit eines Mitglieds des Verkehrsausschusses. Längst stand fest: Mehdorn muß gehen. 

Seit Wochen wurde hinter den Kulissen um einen Nachfolger gerungen, und die Gerüchteküche der Parlamentspresse dampfte munter vor sich hin. Könnte es Nikolaus Breuel, der unionsnahe Leiter der Fernverkehrssparte der DB, werden? Die Blitzkarriere Breuels bei der Bahn-AG hat ihm allerdings nicht nur Freunde eingebracht, im Konzern gilt er als hochprotegierte Lachnummer, der seinen kometenhaften Aufstieg dem Einfluß seiner Mutter, Ex-Treuhandchefin Birgit Breuel, auf die Kanzlerin verdankt. Auch der SPD-nahe Norbert Bensel, Vorstandsmitglied der DB Logistik, gilt allenfalls als Übergangskandidat.  

In Wirklichkeit steht längst fest: Dass die SPD ihre komfortable Mehrheit im Aufsichtsrat der Bahn AG (13rot, 5 schwarz) nutzt, um dem Koalitionspartner nun einen in der Wolle gefärbten Sozi vorzusetzten, ist so gut wie ausgeschlossen. Nach den koalitionsinternen Querelen der letzten Zeit ist man bemüht, die Wogen etwas zu glätten. Steinmeier und Müntefering wissen, dass sie sich bei der Bahn-Nachfolge mit einer gezielten Provokation der Kanzlerin keinen Gefallen tun würden. Denn die Union würde sich bei der nächsten Gelegenheit  – etwa der Benennung wichtiger EU-Posten revanchieren. Es mag Vorwahlkampf sein, aber noch herrscht die typisch deutsche Konsenspolitik vor oder, wenn man so will, das vorsichtig-lauernde sich-Beobachten der koalierenden Konkurrenten, die wissen, dass sie jetzt und vielleicht ja auch in Zukunft voneinander abhängig sind. 

Der Mann der Stunde könnte nun ein alter Bekannter werden, von dem man einige Zeit nichts mehr hörte: Alfred Tacke. Der ehemalige Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, den der damalige Kanzler Schröder von Niedersachsen mit nach Berlin genommen hatte, gilt in Berliner Kreisen als aussichtsreichster Nachfolger Mehdorns. Später war Tacke Chef der Energieunternehmen Evonik und STEAG, einer Tochter des Energieriesens RAG. Tackes Chef im Wirtschaftsministerium und danach bei der RAG war Werner Müller, der – wie praktisch – heute Aufsichtsratsvorsitzender der … Deutschen Bahn ist.  

Sicher, auf den ersten Blick wirkt der Niedersachse Tacke wie ein typischer FOG (Friend of Gerd) aus alten Schröder-Zeiten. Allerdings hat sich der SPD-Mann, etwa als Sherpa für den G8-Wirtschaftsgipfel 2000, auch in Unionskreisen einen Ruf als solider Pragmatiker erworben. Kanzlerin Merkel kann mit dem Macher-Typen Tacke gut leben. So haben beide Seiten, was sie brauchen: Steinmeiers SPD einen Mann mit Parteibuch und die Kanzlerin einen pragmatischen Manager, der seine Erfahrung aus der wichtigen Energiebranche in das halbstaatliche Großunternehmen einbringt. 

Vor allem aber verfügt Tacke über eine unschätzbar wichtige Qualifikation für den Posten des Bahnchefs: Im Gegensatz zum Ego-Manager Mehdorn, der sich gerne in Kaiser Wilhelm-Manier über seine Herren im Parlament lustig machte, weiß er, wie man mit Politikern umgeht. Für die ist Alfred Tacke die Notbremse aus Niedersachsen.

******Nachtrag, 30.03.2009, 18.30h: Jetzt hat auch Spiegel Online Alfred Tacke im Visier, der zuerst von diesem Blog heute morgen als Mehdorn-Nachfolger genannt wurde.

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Nordkorea ist immer für eine bizarre Schlagzeile gut. Jetzt geistert die Meldung durch die Zeitungen, in der Hauptstadt Pjöngjang sei auf Geheiß des „lieben Führers“ Kim Jong Il ein Pizza-Restaurant eröffnet worden.  Gemeldet hatte das die japanische Zeitung „Choson Sinbo“, und die sarkastische Verwertung solch lustiger Meldungen (Pizza-Paradies im Hungerland…) ist immer ein gefundenes Fressen für uns Journalisten.

Als ich letztes Jahr zum internationalen Filmfestival nach Pjöngjang reiste, fand ich derartige Widersprüche en masse: Ein erfolgreiches Trickfilmstudio mit modernster Computerausrüstung, das für französische, englische und sogar amerikanische Firmen produziert. Ein schickes Vorzeigerestaurant, in dem die weltberühmten kalten Nudeln serviert werden (vor dem Eingang steht die schwarze Limousine eines Militär-Bonzen). Karaoke-Bars, eine amerikanische Bowling-Alley usw. Dass nur die wenigsten daran teilhaben können – schon wer in Pjöngjang wohnt, ist privilegiert – versteht sich natürlich ebenso wie der Umstand, dass vieles inszeniert, vieles Fassade ist an dieser schönen Welt, die man den westlichen Besuchern präsentiert.

Und doch ist die Wirklichkeit komplizierter, als die lustigen Geschichten vom „verrückten Diktator mit der Bombe“ ahnen lassen. Kim Jong Il ist eher ein Künstlertyp als ein Staatsmann, glaubt sogar der südkoreanische Geheimdienst. Um das nordkoreanische System zu verstehen, bin ich in die Kinos und das große Filmstudio vor den Toren der Stadt gegangen, habe mit Schauspielerinnen und Regisseuren gesprochen und darüber eine Reportage im ZEIT-Magazin geschrieben.

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Hollywood ist nichts dagegen: In Nordkorea herrscht ein  beispielloser Filmkult, und der »liebe Führer« Kim Jong Il führt überall Regie. Ein Besuch im größten Kino der Welt 


Der große Feldherr auf seinem Hügel, Bügelfalten, scharf wie Offizierssäbel.  Zu seinen Füßen tobt die Schlacht. Ihn scheint das Blutvergießen nicht zu berühren. Entrückt steht er da, den Blick in weite Fernen gerichtet –  ein Bild an der Wand des Filmmuseums in Pjöngjang, meterhoch, es erzählt von den Dreharbeiten zu einem Revolutionsepos. Denn Feldherr Kim ist ein besessener Regisseur. Statisten, Kameraleute und Beleuchter sind seine Soldaten (mehr …)

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Der Tag 1 nach dem Massenmord von Winnenden war ein scheinbar ganz normaler Tag in Deutschland. Die Züge fuhren pünktlich, die Post wurde ausgetragen und der Mediendienst Kress vermeldete in seinem Quotencheck, dass 1,31 Millionen „werberelevante Fernseher“ am Vorabend die RTL Sondersendung „Explosiv Spezial – Der Amoklauf von Winnenden“ gesehen hatten. Der „Tagessieger in der Werbezielgruppe“ war eine Doku-Soap über Schulden.

Man kann sich keinen besseren Beleg vorstellen für die These des Medienwissenschaftlers Neil Postman, das Fernsehen als Medium neige dazu, jedes noch so ernste Thema seiner eigenen Logik zu unterwerfen. Und die heißt nun einmal: Unterhaltung, Werbung, Quote.

Und doch hat der Amoklauf des Tim K. das Land für kurze Zeit in einen seelischen Ausnahmezustand versetzt. Entsetzen, Ratlosigkeit und Trauer herrschen in der Bevölkerung ebenso wie auf Seiten von Politik und Medien. Es ist, als hätte sich mit der Schreckenstat von Winnenden ein Abgrund aufgetan inmitten der heimeligen, gutbürgerlichen deutschen Mitte.

Dabei ist die statistische Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Amoklaufes zu werden, in etwa so groß wie die eines Terroranschlags: sie tendiert gegen null. Nicht die Häufigkeit von Amokläufen jagt uns Angst ein, sondern die Normalität, aus der die Täter kommen, das Gefühl, einer unerklärlichen, diffusen Bedrohung ausgesetzt zu sein.

Auch deshalb erregt ein Ereignis wie der Amoklauf von Winnenden weitaus mehr Aufmerksamkeit als etwa der Mafiamord von Duisburg, bei dem immerhin sechs Menschen auf äußerst brutale Weise ermordet wurden. Die Tat eines Auftragsmörders scheint erklärbar. Aber wenn der unscheinbare Nachbarsjunge zum Massenmörder wird, tut sich ein Abgrund auf, und das Ringen um Erklärung wird dadurch nicht leichter, dass ein Schuldiger fehlt, der die Verletzung des kollektiven Ordnung sühnen kann.

Das Verfahren gegen den Duisburger Mafiakiller Giovanni Strangio wird seine Tat nicht ungeschehen machen, aber es wird im Bewusstsein der Öffentlichkeit Recht und Ordnung wiederherstellen, die durch den kaltblütigen Massenmord verletzt wurden. Der Amokläufer Tim K. aber ist tot und lässt alle Fragen offen.

So wird das Unverständliche zum Ereignis. Innerhalb kürzester Zeit waren Reporter und Filmteams in Winnenden und berichteten live vor Ort. „Die Welten des Amok und die Welten der Unterhaltung sind untrennbar verschränkt“, schreibt der Medienwissenschaftler Heiko Christians in seiner letztes Jahr erschienenen, lesenswerten Studie „Amok. Geschichte einer Ausbreitung“ (Aisthesis Verlag 2008).

Am deutlichsten wird das am Beispiel des Mikro-Blogging-Dienstes Twitter, den viele Medien nutzen, um vor Ort das eigene Berichterstatten zu kommentieren: „Mehrere Einsatzwagen schießen an FOCUS-Online-Reportern vorbei. Amokläufer in Wendlingen getötet. Drehen ab nach Wendlingen“ ist ein typisches Beispiel für die atemlose Selbstinszenierung der Medien in diesem neuen Kommunikationskanal, an der sich dann auch prompt Kritik entzündete.

Doch lautstarke Medienkritik ist Christians zufolge fehl am Platz. Die Geschichte des Amok sei von Anfang an verbunden mit der Entwicklung der Kommunikation. Schon die Berichte portugiesischer und holländischer Reisender über Amokläufe in den ostindischen Kolonien folgen einer Dramaturgie. Da eine Erklärung für die den plötzlichen Mordrausch fehlt (mal sind es Drogen, mal verletztes Ehrgefühl), wird der Amoklauf zur Chiffre für das „Fremde“, dem die Gesellschaft Einhalt zu bieten versucht. Der Reiseautor John Hagenbeck berichtet 1922 „dass man in den meisten Dörfern Alarmtrommeln hat, die man ertönen lässt, wenn ein Amokläufer sein Unwesen treibt, ferner große Holzgabeln, mit denen man den Wahnsinnigen einfängt, um ihn zu überwältigen. Überdies ist jeder Amokläufer vogelfrei, er darf erschossen oder auf jede andere Weise unschädlich gemacht werden“.

Kaum mehr konnte in Winnenden getan werden. Die Einsatzkräfte vor Ort handelten offensichtlich ebenso besonnen und schnell wie die Schulleitung, die per Lautsprecher die verschlüsselte Warnung „Frau Koma kommt“ an die Klassen durchgegeben haben soll. Die Waffengesetzte in Deutschland gehören zu den strengsten in Europa. Der Täter soll aus einem behüteten Elternhaus stammen.

Das Bild des „kranken Medienusers“ (Christians), das schnell als Begründung für Tim K.s schreckliche Tat herhalten musste, passt in die üblichen Erklärungsmuster des Amoklaufs als rauschartige Folge von Suchtverhalten: Früher waren es exotische Drogen, dann Fernsehkonsum, schließlich Computerspiele und „das Internet“. Mord und Totschlag aber findet man heute in jeder Bahnhofsbuchhandlung.

Dass die Mär von der angeblichen Ankündigung der Tat im Internet schnell als Falschinformation entlarvt wurde, hielt einige Boulevardmedien nicht davon ab, darüber  – offenbar wider besseres Wissen – ausführlich darüber zu berichten, um sich am Tag darauf umso mehr über die „Ermittlungspanne“ zu echauffieren. Sie passte einfach zu gut ins Bild, mit dem wir uns das Unfassbare zu erklären versuchen.

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Gestern brachte der „Tagesspiegel“ eine Rezension von Ana Novacs KZ-Tagebuch „Die schönen Tage meiner Jugend“, die einen schönen Einblick in journalistische Arbeitsmethoden im Zeichen der Medienkrise gibt. Überall werden Mittel gekürzt, Stellen werden abgebaut, nur die journalistische Qualität soll irgendwie bleiben. Deshalb gibt sich der Text nicht nur als Rezension, sondern wartete mit profunder Hintergrundrecherche auf.

So zweifelt die Rezensentin am Geburtsdatum von Ana Novac: „Wann genau sie im siebenbürgischen Dej (Rumänien) geboren wurde, lässt sich nicht mehr feststellen – dem Verlag zufolge 1929. Doch verzeichnen die Listen heimgekehrter Häftlinge die Daten 1924 und 1925”. Woher hat die Rezensentin diese Information? War es mühevolle eigene Recherche in Archiven? Ist sie gar nach Paris gereist, um mit Ana Novac zu sprechen?

Nicht wirklich. Wozu sich die Mühe machen, eine eigene Geschichten zu produzieren, wenn man auch anderswo abschreiben lassen kann? Also hat sich die Rezensentin einfach bei dem Ana Novac-Porträt bedient, das vor drei Wochen im ZEIT-Magazin erschien und Novacs Geburtsdatum erstmals in Zweifel zog: „Laut Verlag wurde die Schriftstellerin 1929 in Siebenbürgen geboren. Aber eine 1945 in Budapest erstellte Liste heimgekehrter KZ-Häftlinge verzeichnet eine 1925 in Dej geborene Zimra Harsanyi […]“.

Immerhin hat sich die Rezensentin die Mühe gemacht, und die Entstehungsgeschichte des Textes kritisch hinterfragt: Was ist authentisch, was überarbeitet? So schreibt der Tagesspiegel: „Die Originalnotizen, entstanden von Juni bis September/Oktober 1944, wurden verschiedentlich überarbeitet. Einmal spricht sie von „Endlösung“ – was eine 15-Jährige damals sicher nicht tat, und sie verwechselt manchmal Orte“.

Lobenswerte Gründlichkeit? Nein, auch das ist abgeschrieben aus dem ZEIT-Magazin, in dem es zur Überlieferung des Tagebuchs heißt: „Bei mehreren Übertragungen und Übersetzungen sind Formulierungen stilistisch geglättet und von der Autorin überarbeitet worden. Vermutlich liegt es daran, dass sich in dem Tagebuch etwa das Wort ‚Endlösung‘ findet, das einem jüdischen Mädchen im Jahr 1944 nicht geläufig gewesen sein kann […]“

Und wo hatte Ana Novac ihr erstes Schreibheft her? Der Tagesspiegel weiß es, so wird suggeriert, von Ana Novac selbst, die sich „erinnert“: „Das gerettete Heft übrigens hatte sie einem Lagerkapo abgeschwatzt, der von ihrem Überlebenswillen beeindruckt war: ‚Wärst du ein Pferd, würde ich auf dich wetten‘, sagt er. Die Bemerkung, erinnert sie sich, sei das Beste gewesen, was sie im Lager erlebt habe“.

Wenn man schon ohne Quellenangabe abschreibt, sollte man vielleicht das Interview-Präsens rausredigieren. Im ZEIT-Magazin wird Ana Novac mit den Worten des Lagerkapo zitiert, der ihr sagt: „‚Ich weiß nicht, was du schreibst in deiner eigentümlichen Sprache. Aber wärst du ein Pferd, würde ich auf dich wetten.‘ Das sei vielleicht das Beste, was sie im Lager erlebt habe, erinnert Ana Novac sich.“ Das ist also ein Zitat im Zitat. Im Buch sagt der Lagerkapo übrigens: „Wenn du ein Rennpferd wärst, würde ich auf dich setzen“.

Aber warum sich die Mühe machen, ein Buch zu lesen, wenn man aus einem anderen Artikel abschreiben kann? Die Zeiten sind hart, da ist Rationalisierung auch in der kleinsten Zelle angesagt. 

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Als Condé Nast-Verleger Jonathan Newhouse im Dezember der erleichterten Vanity Fair-Mannschaft kurz vorm Nikolaustag verkündete, dass ihre Stellen sicher seien und das Magazin weiter erscheinen werde, da waren erst mal alle beeindruckt. Allerdings hätte die Rede des vollmundigen Verlegers schon damals Zweifel an seiner Aufrichtigkeit wecken können. Wie mir ein Freund aus der Redaktion berichtete, sagte Newhouse wörtlich: „We will continue the magazine, because that’s what we do: fish swim, horses ride, publishers publish!” 

Newhouse verkündete also nicht: „Pferde rennen“, wie die taz frei übersetzte, sondern „Pferde reiten“. Wenn ein Verlagsboss Ross und Reiter verwechselt, ist das kein gutes Omen. Nur zwei Monate später vollzog Newhouse den peinlichen U-Turn und verkündete der völlig verdatterten Vanity Fair-Mannschaft, dass ihr Magazin mit sofortiger Wirkung eingestellt wird.

So zeigt sich wieder einmal, dass Bilanzfixer und Großsprecher (siehe David Montgomery), die nur auf Rendite schauen und keine publizistische Vision haben, nicht unbedingt gute Verleger sind. Das braucht Leute vom Schlag wie Jakob Augstein, der mit „der freitag“ mitten in der Krise unerschrocken ein innovatives Printmedium gegründet hat.  

Verlegen ist ein besonderes Geschäft, man muß schon eine gehörige Portion Enthusiasmus, Mut und langen Atem dazu haben. Dann wird man nicht nur mit Erfolg belohnt, sondern mit dem, was man früher ganz altmodisch einen „Ruf“ nannte. Sonst heißt es eben bloß wie im Fall Jonathan Newhouse: Verleger (sind) verlegen.

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In der aktuellen ZEIT macht sich Peter „Heinrich“ Dausend über die Namensverwirrung lustig, die vor gefühlten Monaten ein falscher Wikipedia-„Wilhelm“ im Vornamenskatalog des Wirtschaftsministers Karl-Theodor … von (und zu) Guttenberg stiftete. Nicht alle fanden das witzig. Medien-Blogger Stefan Niggemeier zeiht die Zeit gar der Opa-Haftigkeit. Aber, aber, Herr Kollege, nicht so streng! Wenn man dem falschen Wilhelm einen falschen Heinrich unterschiebt, könnte nicht Gottfried Kellers  „Grüner Heinrich“ gemeint sein? Zu Guttenberg ist zwar nicht politisch, aber biographisch der grünste Jungminister im Wirtschafsressort, den wir je hatten.

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