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Archive for the ‘Artikel’ Category

Liebe Eltern höherer Töchter und Söhne, alle mal aufgepaßt: Sie wollen nur das Beste für Ihren Nachwuchs, richtig? Also haben Sie ihr Kind schon früh in einen internationalen Kindergarten gesteckt, es an allen Schulreformen vorbei auf ein altsprachliches Gymnasium bugsiert und auch für das Auslandsjahr in Übersee gesorgt.

Und trotz des etwas verkrampften Versuchs, regierungsamtlich bestellte „Elite-Universitäten“ aus deutschem Grund und Boden zu stampfen, glauben Sie natürlich, daß nur das Studium an einer englischen Kaderschmiede wie Oxford ihrem Nachwuchs eine angemessene Perspektive bietet.

Liebe Eltern höherer Töchter und Söhne, ich kann Sie nur warnen: Lesen Sie keinesfalls Carl von Siemens’ Roman „Kleine Herren“. Verhindern Sie um jeden Preis, daß dieses Buch in die Hände ihrer Kinder gerät. Drohen Sie ihnen notfalls damit, sie zu enterben. (mehr …)

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Warum der Wahlkampf auch im Internet nicht besser war, aber die Wähler trotzdem davon profitierten

Der beste Platz für einen Politiker, wusste Loriot, ist das Wahlplakat: „Dort ist er tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen“. Dass Plakate auch im Zeitalter von Email und Internet noch Aufmerksamkeit erregen können, zeigte im vergangenen Wahlkampf die CDU-Politikerin Vera Lengsfeld, die mit ihrem Dekolleté und dem der Bundeskanzlerin unter dem Motto „Wir haben mehr zu bieten“ im Berliner Szene-Bezirk Kreuzberg um Stimmen buhlte.

Noch eine Spur krasser plakatierte die Kandidatin der Partei „Die Linke“, Halina Wawzyniak, im gleichen Wahlbezirk. Sie ließ sich von hinten in enger Jeans ablichten. Der sinnfreie Wahlspruch dazu: „Mit Arsch in der Hose in den Bundestag“. Dagegen wirken die farbenfrohen Comic-Plakate schon fast staatstragend, mit denen der grüne Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele seit Jahren das Direktmandat in Kreuzberg erringt.

Der „Busen-Wahlkampf“ (taz) bewies vor allem eins: Erlaubt ist, was Aufmerksamkeit erregt. Konnte der 2002 von der FDP veranstaltete Spaßwahlkampf um das „Projekt 18%“ noch als Ausrutscher gelten, erliegen heute immer mehr Politiker aller Parteien der Versuchung, um jeden Preis auffallen zu wollen. Denn inhaltliche Botschaften spielten im Wahlkampf 2009 kaum noch eine Rolle. Wenn sich selbst die Parteiprogramme nur wenig voneinander unterscheiden, wird der Wahlkampf zum Wahlkrampf und das Medium zur Botschaft. (mehr …)

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Pjöngjang leuchtet. Jedenfalls die Skyline am Ufer des Taedong-Flusses, die wir nachts von unserem Hotel aus sehen können. Die Russen haben Öl geliefert, heißt es. Von Ferne dringt Baulärm über den Fluss, und Schweißbrenner blitzen aus nachtgrauen Gebäude-Gerippen.

Dahinter ragt das Ryugyong-Hotel, eine pyramidenförmige Bauruine, die einmal 3000 Zimmer und sieben Drehrestaurants beherbergen sollte, wie ein ausgeraubtes Pharaonengrab in den Himmel über Pjöngjang. Selbst diese brachliegende Betonmonstrosität soll zu neuem Leben erweckt werden. Ein ägyptisches Unternehmen – wie passend – will den Bau vollenden.

Kein Zweifel, es tut sich was im Herzen der Finsternis, in dieser Hauptstadt auf der „Achse des Bösen“, zu der die Bush-Regierung das kommunistische Nordkorea zählt. Nordkorea ist ein vom Rest der Welt hermetisch abgeriegeltes Niemandsland. Wer in Hamburger Buchhandlungen nach Reiseführern fragt, erntet Schulterzucken, auch das Reisebüro muss Sonderschichten schieben, um ein Flugticket zu organisieren.


Pjöngjang wirkt auf den ersten Blick wie ein Eisschrank, in dem der Kalte Krieg konserviert wurde. An jeder Straßenecke, jeder Fassade riesige Propagandaslogans, die zur Vernichtung des imperialistischen Klassenfeinds auffordern oder die Vorzüge des koreanischen Kommunismus preisen. (mehr …)

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Hollywood ist nichts dagegen: In Nordkorea herrscht ein  beispielloser Filmkult, und der »liebe Führer« Kim Jong Il führt überall Regie. Ein Besuch im größten Kino der Welt 


Der große Feldherr auf seinem Hügel, Bügelfalten, scharf wie Offizierssäbel.  Zu seinen Füßen tobt die Schlacht. Ihn scheint das Blutvergießen nicht zu berühren. Entrückt steht er da, den Blick in weite Fernen gerichtet –  ein Bild an der Wand des Filmmuseums in Pjöngjang, meterhoch, es erzählt von den Dreharbeiten zu einem Revolutionsepos. Denn Feldherr Kim ist ein besessener Regisseur. Statisten, Kameraleute und Beleuchter sind seine Soldaten (mehr …)

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Vor ein paar Jahren erregte der Sozialpsychologe Harald Welzer mit einer Studie in Deutschland Aufsehen, welche die Verarbeitung der NS-Vergangenheit in deutschen Familien erforschte. Dabei entdeckten die Wissenschaftler, dass rund zwei Drittel der Familienerzählungen Opfer- und Heldengeschichten über die Grosseltern sind, die von der Kinder- und Enkelgeneration nicht nur bereitwillig geglaubt, sondern geradezu eingefordert werden. (mehr …)

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 Hans Werner Henze ist einer der berühmtesten deutschen Komponisten der Gegenwart. Politisch hat er sich als Linker und Antifaschist betätigt. Jetzt legt eine Recherche nahe: Der 1926 geborene Henze war Mitglied der NSDAP.   

Wäre die Erinnerung ein Konzert – so könnte es klingen, das Jüngste Gericht über die deutsche Vergangenheit: «Ein In- und Aufeinander von Schreckensgetön aus der Kindheit, Erinnerungen an Marschlieder und Hymnen, Gassenhauer und Gemeinheiten, Suff. Blitzlichtklänge aus dem riefenstahlschen Nazi-Nürnberg beleidigen uns, den Fanfarenzügen entfährt grelle Ignoranz, das doofe Dur der Angepassten und Mitlaufenden.»   (mehr …)

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Im Vernichtungslager schrieb Ana Novac als junges Mädchen auf, was sie erlebte. Ihr Tagebuch aus der Hölle ist jetzt wiederentdeckt worden

Ein altes Mietshaus im Nordosten von Paris, unweit des Canal Saint-Martin und der großen Bahnhöfe. Die Frau, die seit Jahrzehnten in dem kleinen Appartement im vierten Stock wohnt, hat fünf Namen und viele Leben. Winzig und scheinbar unsterblich sitzt Ana Novac auf dem Sofa. Auf dem Kaminsims stehen ein paar bunte Teller, daneben ein Schaukelstuhl, in der Ecke eine neunarmige Chanukka-Leuchte. Ana Novac hat ein kindliches Gesicht und lockige, kurze Haare. Sie staunt noch immer über das, was ihr geschah. „Der Körper hat kein Gedächtnis“, sagt sie, aber dieses Gefühl hat sie nie verlassen: die Verblüffung darüber, in einem Vernichtungslager zu sein.

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