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Archive for the ‘Rezension’ Category

Der George-Kreise nach des Meisters Tod – Ulrich Raulff erzählt in seiner Kreisbiografie eine Gespenstergeschichte für Erwachsene

Auch imaginäre Reiche können zerfallen. Bei Stefan George und seinem Kreis kann man den Beginn dieses Zerfalls genau datieren. In den frühen Morgenstunden des 4. Dezember 1933 tut der Dichter seinen letzten Atemzug. Von da an war das von George geschaffene „Dritte Reich“, anders als das ohne Anführungszeichen auskommende Machtgebilde Hitlers, den Jüngern überlassen.

Was dann geschah, beschreibt Ulrich Raulff als ziemlich atemberaubende Geschichte von Korruption und Zwist, als „schmutzige Ideengeschichte“ über den Streit um die Auslegung von Georges Botschaft. Andere Dichter mögen eine Wirkungsgeschichte haben, George hatte ein Nachleben. Die Bezeichnung als „Essay“ ist für ein Buch von mehr als 500 Seiten fast schon sittenwidrig, wäre da nicht der bewundernswert leichte essayistische Stil. Tatsächlich ist Raulffs Werk eine grandiose Art postumer Ideenbiografie. (mehr …)

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Peter Handkes neues Stück, bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt, ist eine grandiose Selbstdemontage.

Frauen, die lesen, sind gefährlich, heisst es. Aber stimmt das überhaupt? Ist das Lesen nicht ein Echo des Schreibens, das die Männer am liebsten allein und für sich tun? Sind Frau­en in Männertexten nicht immer nur Puppen an den Fäden der Meister? Gefährlich wird es erst, wenn die Frauen sich mit Worten bewaff­nen, wie in Peter Handkes neuem Stück «Bis dass der Tag euch scheidet». Mit der Doppel­premiere von Becketts «Das letzte Band» und Handkes Antwort darauf sorgten Schauspiel­direktor Thomas Oberender und Regisseur Jossi Wieler bei den Salzburger Festspielen für eine wohl einzigartige Konstellation im Welttheater der Geschlechter: Handke hat seinen Frauenmonolog als Echo auf Becketts Stück über den alten, abgehalfterten Schriftsteller Krapp verfasst, der im Alter von 69 Jahren und kurz vor seinem Tod Tonbänder abhört und über die verflossene Liebe zu einer «unbekann­ten Frau» nachsinnt. Ihr gibt Handke nun eine Stimme, und in der ungehaltenen Rede geht sie ziemlich schonungslos mit dem Schriftstel­ler ins Gericht, der tot ist und «hinüber, wie man nur hinüber aussehen kann» – ein Nar­renkönig, ein Versager vor dem zwischen­menschlichen Glück, das sie beide einmal kurz in der Nacht in einem Boot erlebt haben.

Ein Frauenmonolog von einem männlichen Dichter, der nicht nur reizbar, sondern auch ein wortmächtiger Macho ist – kann das gutgehen? Bei den Theatermachern habe es darüber zu­nächst Diskussionen gegeben, verrät Thomas Oberender am Rande der Premiere.

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