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Posts Tagged ‘Günter Grass’

Oder doch? Vielleicht ein ganz kleines bisschen? Die Diskussion um die NS-Karteikarten prominenter deutscher Künstler geht weiter. Kein Wunder, denn im Laufe der Zeit tauchen immer mehr Karteikarten im braunen Zettelkasten des Bundesarchivs auf.

Am 26. Februar brachte das Deutschlandradio Kultur ein interessantes Gespräch mit dem Schriftsteller Manfred Flügge u.a. über Erwin Strittmatter, Walter Jens und das Schweigen deutscher Intellektueller. Auch für Flügge geht es nicht um Schuldzuweisung, wenn jetzt nach der Vergangenheit prominenter Künstler in deutschen Diktaturen gefragt wird, sondern um die Frage, was danach kam: „wann, wie und warum haben sie sich geändert und warum können sie sich diesem Prozess nicht stellen“?

Heute morgen sprach ich darüber im Deutschlandradio Kultur (TextAudio): Die Künstler mögen schweigen, ihr Werk aber nicht. Das gilt für Henze, das gilt auch für Günter Grass. Man muss nur einmal in seine großartige Novelle Im Krebsgang schauen, die er 2002 veröffentlicht hat – vier Jahre vor den Enthüllungen über seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS. Der Ich-Erzähler Paul ist damals schon mitteilsamer als der Autor, wenn er über seinen Sohn schreibt: „Wie gut, dass er nicht ahnt, welche Gedanken ganz gegen meinen Willen aus linken und rechten Gehirnwindungen kriechen, entsetzlich Sinn machen, ängstlich gehütete Geheimnisse preisgeben, mich bloßstellen, so dass ich erschrocken bin und schnell versuche, anderes zu denken.“

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