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Posts Tagged ‘Holocaust’

Vor ein paar Wochen traf ich in Paris die Schriftstellerin Ana Novac, um mit ihr über das beeindruckende Tagebuch zu sprechen, dass sie als Häftling in Auschwitz und anderen deutschen Konzentrationslagern führte. Kurz vor dem Besuch eine Zufallsbegegnung: Im Bistro nebenan saß die Theaterautorin Yasmina Reza, und wir kamen ins Gespräch.

Ein Zufall, aber ein passender. Letztes Jahr sah ich in London Rezas Stück  „Der Gott des Gemetzels„. Es zeigt, ähnlich wie William Goldings „Herr der Fliegen„, wie dünn der Firnis der Zivilisation ist und wie schnell Gewalt und Brutalität die Oberhand gewinnen. Was Ana Novac erlebte und auschrieb, ist keine Fktion. In ihrem KZ-Tagebuch „Die schönen Tage meiner Jugend“  schildert sie mit geradezu brutaler Offenheit die Verhältnisse im Lager: „Dante hätte jede Menge Zeit gehabt, seine Hölle zu vollenden“. 

Das Porträt von Ana Novac ist am 19. Februar im ZEIT-Magazin erschienen. Ana Novacs Tagebuch sollte Pflichtlektüre für Holocaust-Leugner wie Bischof Richard Williamson sein.

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Im Vernichtungslager schrieb Ana Novac als junges Mädchen auf, was sie erlebte. Ihr Tagebuch aus der Hölle ist jetzt wiederentdeckt worden

Ein altes Mietshaus im Nordosten von Paris, unweit des Canal Saint-Martin und der großen Bahnhöfe. Die Frau, die seit Jahrzehnten in dem kleinen Appartement im vierten Stock wohnt, hat fünf Namen und viele Leben. Winzig und scheinbar unsterblich sitzt Ana Novac auf dem Sofa. Auf dem Kaminsims stehen ein paar bunte Teller, daneben ein Schaukelstuhl, in der Ecke eine neunarmige Chanukka-Leuchte. Ana Novac hat ein kindliches Gesicht und lockige, kurze Haare. Sie staunt noch immer über das, was ihr geschah. „Der Körper hat kein Gedächtnis“, sagt sie, aber dieses Gefühl hat sie nie verlassen: die Verblüffung darüber, in einem Vernichtungslager zu sein.

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