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Posts Tagged ‘Kim Il Sung’

Was schenkt man jemandem, der schon alles hat? Letzten Herbst hatte ich die Gelegenheit, den größten Gabentisch der Welt zu besichtigen: Eine in den Berg gehauene Schatzkammer mit über 180 Räumen voller Geschenke, der Eingang streng von Soldaten bewacht. Es sind Präsente, die Besucher aus aller Welt dem nordkoreanischen Diktator und „ewigen Präsidenten“ Kim Il Sung mitbrachten, der eigens zur Aufbewahrung eine „Freundschaftsausstellung“ in den Myohyang-Bergen vor Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang bauen ließ.  

In einem halben Jahrhundert hatte sich bei Kim Il Sung allerlei angesammelt: 222.522 Geschenke – man hatte genau zählen lassen. Nordkorea ist ein kommunistisches Land, aber der Personenkult um Vater und Sohn Kim trägt quasi-religiöse Züge. Nur hießen die heiligen drei Könige des Kommunismus Mao, Stalin und Ceausescu, und sie brachten nicht Weihrauch, Myrrhe und Gold, sondern gepanzerte Limousinen, Eisenbahnwaggons und Gewehre. 

Von den Sandinisten aus Nicaragua ein ausgestopftes Krokodil mit Tablett und Whiskygläsern, ein Lehnsessel von Tito, eine kuriose Kuckucksuhr „von Drillingen aus der DDR“ – wie auf jedem Gabentisch gesellt sich hier Nützliches zu Nutzlosem. Umtauschen kommt ja nicht in Frage, das versteht sich bei Gastgeschenken von selbst. Es ist ein Schatz von orientalischen Ausmaßen. Nun ja, vielleicht nur ein Verschnitt aus 1001 Nacht und Quelle-Katalog, oder woher hatte Chinas Präsident Li Peng 1991 die billige Stereoanlage? 

Was schenkt man jemandem, der schon alles hat? Für viele Deutsche ist das in der Vorweihnachtszeit trotz Krisenstimmung eine typische Luxusfrage. Für die Staatsgäste, die das bitterarme Nordkorea besuchen, ist es ein Problem. Denn die Menschen im Norden des geteilten Landes leiden unter Hungersnöten und Armut, während die Regierung Geld in die Produktion von Nuklearwaffen steckt. Aber Kim Il Sungs Sohn und Nachfolger Kim Jong Il hat gleich neben dem Vater seine eigene Schatzhöhle, in deren Zentrum eine Digitalanzeige den aktuellen Besitzstand angibt: Bis dato 56.474 Geschenke. 

Wie so häufig sagen auch hier die Geschenke mehr über den Spender als über den Empfänger. Das billige Wodka-Set von Putin? Eigentlich eine Frechheit. Der von Michael Jordan signierte Basketball, den die ehemalige Außenministerin Madeleine Albright Kim Jong Il mitbrachte? Nicht ohne Hintersinn, wenn man bedenkt, dass der etwas kurz geratene Diktator Plateausohlen trägt. Der Computer eines südkoreanischen Unternehmens? Wohl ein Wink mit dem Zaunpfahl angesichts der Tatsache, dass das Internet in Nordkorea verboten ist. 

Ein Geschenk aber war etwas Besonderes: In einer Vitrine lag ein Stück der Berliner Mauer, gewidmet 1990 von einer anonymen Spenderin aus Deutschland. Es war berührend, dieses Symbol friedlich überwundener Teilung zu sehen. Denn Nord- wie Südkoreaner wollen nichts lieber, als wieder vereinigt zu werden. 

Im unterdrückten Nordkorea könnte das symbolträchtige Mauerstück aus dem fernen Deutschland die Hoffnung stiften, für die das Weihnachtsfest steht, dachte ich mir. Seit Jahrzehnten isoliert die kommunistische Diktatur das Land völlig von der Außenwelt. Die meisten Nordkoreaner, die durch Kims Schatzhöhle geführt werden, wissen wahrscheinlich nicht einmal, wo die deutsche Mauer stand und wer sie eingerissen hat. Und wenn sie es wüssten, dann käme ihnen das vielleicht wie ein Weihnachtsmärchen vor: Es war das Volk, das da laut protestierend durch die Straßen zog und sich selbst von Diktatur und Teilung befreite. 

Für uns Deutsche aber ist es kein Weihnachtsmärchen, wir müssten es besser wissen. Dieses Mauerstück in Nordkorea sollte uns daran erinnern, was wir angesichts unserer Alltagssorgen und – klagen gerne vergessen: Dass wir die Wiedervereinigung unseres nicht ganz armen Landes einer friedlichen Revolution verdanken

(gesendet im Deutschlandradio Kultur am Heiligabend 2008, Beitrag zum Nachhören)

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Pjöngjang leuchtet. Jedenfalls die Skyline am Ufer des Taedong-Flusses, die wir nachts von unserem Hotel aus sehen können. Die Russen haben Öl geliefert, heißt es. Von Ferne dringt Baulärm über den Fluss, und Schweißbrenner blitzen aus nachtgrauen Gebäude-Gerippen.

Dahinter ragt das Ryugyong-Hotel, eine pyramidenförmige Bauruine, die einmal 3000 Zimmer und sieben Drehrestaurants beherbergen sollte, wie ein ausgeraubtes Pharaonengrab in den Himmel über Pjöngjang. Selbst diese brachliegende Betonmonstrosität soll zu neuem Leben erweckt werden. Ein ägyptisches Unternehmen – wie passend – will den Bau vollenden.

Kein Zweifel, es tut sich was im Herzen der Finsternis, in dieser Hauptstadt auf der „Achse des Bösen“, zu der die Bush-Regierung das kommunistische Nordkorea zählt. Nordkorea ist ein vom Rest der Welt hermetisch abgeriegeltes Niemandsland. Wer in Hamburger Buchhandlungen nach Reiseführern fragt, erntet Schulterzucken, auch das Reisebüro muss Sonderschichten schieben, um ein Flugticket zu organisieren.


Pjöngjang wirkt auf den ersten Blick wie ein Eisschrank, in dem der Kalte Krieg konserviert wurde. An jeder Straßenecke, jeder Fassade riesige Propagandaslogans, die zur Vernichtung des imperialistischen Klassenfeinds auffordern oder die Vorzüge des koreanischen Kommunismus preisen. (mehr …)

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HUMOR may not be the first thing that comes to mind when you think of the citizens of North Korea, a country known mostly for militant anti-Western propaganda, chronic food shortages and an internationally isolated government pursuing nuclear weapons.

And yet audiences at the 11th Pyongyang International Film Festival here clearly enjoyed themselves this fall during screenings of Western dramas and comedies, occasionally even erupting into riotous laughter.

In most other countries movies like Marcus H. Rosenmüller’s “Heavyweights,” a lighthearted comedy about a group of Bavarian villagers contending in the 1952 Winter Olympics, would be harmless fun. But not in North Korea, and to prove it there was a man with a piece of cardboard sitting in the projection room to cover the lens in case anything deemed unseemly to Korean eyes was shown.

That day, mercifully, the cardboard-wielding censor wasn’t particularly good at his job. His hapless attempts to maintain officially sanctioned decency only added to the amusement of the 2,000 moviegoers in the gigantic Pyongyang International Cinema House, who responded energetically to the sight of a half-dozen outsize German bobsledders baring their bottoms and stuffing themselves with food and beer to gain weight for a competition.

It was an unusual sight in this corner of the world, to say the least.

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