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Posts Tagged ‘Niklas Luhmann’

Nach Recherchen von Malte Herwig wurde der Schriftsteller Dieter Wellershoff von der NSDAP als Mitglied geführt. Danach gefragt, lud er unseren Autor zu sich nach Hause ein und begab sich auf Erinnerungssuche

Vor Kurzem bekam der Schriftsteller Dieter Wellershoff, 83, einen Brief des Bundesarchivs in Berlin: Man habe, ausgelöst durch eine Recherche des ZEITmagazins, eine auf seinen Namen ausgestellte Karte in der Mitgliederkartei der NSDAP entdeckt – Dieter Wellershoff, Mitglied Nr. 10.172.531 der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei. Eine hohe, also späte Nummer, eine vom letzten Aufgebot.

Wer durfte in die Partei? Nur wer für würdig befunden wurde und unterschrieb. Sagen die Historiker. Dieter Wellershoff, das einstige Mitglied der Schriftstellervereinigung Gruppe 47, ein Mann, der sich in Büchern und Essays oft mit der deutschen Katastrophe beschäftigte, sagt am Telefon: „Ich war total vor den Kopf geschlagen, als ich von der Karte erfuhr.“

Er ist bereit zum Gespräch. Es findet Tage später in seiner Kölner Altbauwohnung statt. Wellershoff breitet Dokumente und Fotos auf dem Glastisch aus. Die Entlassungsurkunde aus britischer Gefangenschaft liegt da, ein Fotoalbum aus den dreißiger und vierziger Jahren. Und die Kopie der NSDAP-Karteikarte. (mehr …)

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Nach Walser, Hildebrandt, Lenz, Luhmann und anderen auch er: Hans Werner Henze. Wie ich vor kurzem in der „Weltwoche“  berichtete, ist in der NSDAP-Kartei im Bundesarchiv eine Mitgliedskarte für den berühmten Komponisten (Jahrgang 1926) aufgetaucht. Klar: man könnte den damals 17jährigen wohl kaum einen Vorwurf daraus machen, dass sie mehr oder weniger freiwillig in die NSDAP  eingetreten sind.

Aber die Reaktionen der Betroffenen wie auch mancher Kommentatoren sind schon interessant: Wenn nicht sein kann, was nicht sein darf, wird gerne schon mal gegen alle Wahrscheinlichkeit (und archivalische Belege) geurteilt, dass es sich bei den Parteimitgliedschaften der prominenten Künstler nur um „Geburtstagsgeschenke“ für Hitler handeln könne. 

Der Wunsch ist offensichtlich Vater des Gedankens, wenn die F.A.Z. sich um den Ruf des „weltweit anerkannten“ Musikers sorgt und hofft, „dass diese ,bösen Geister‘ bald wieder in der Versenkung verschwinden werden„. Soll das heißen, dass man die historischen Aktenfunde lieber ignoriert, anstatt sie zu erforschen?  

Am lustigsten die Argumentation von Franziska Augstein in der Süddeutschen Zeitung. Für die promovierte Leitartiklerin, deren Sozialisierung als Historikerin sich in der Spätphase poststrukturalistischer Beliebigkeitspostulate vollzog, steht fest, dass «eine Quelle unfraglich nur eines besagt: dass sie existiert». Seriöse Quellenkritik sieht anders aus, und für Sammelaufnahmen ohne Wissen der Betroffenen fehlt bisher jeder Beleg. Die Diskussion um die NSDAP-Karteimitglieder hat eher mit Politik zu tun, als mit Geschichtsforschung.

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Vor ein paar Jahren erregte der Sozialpsychologe Harald Welzer mit einer Studie in Deutschland Aufsehen, welche die Verarbeitung der NS-Vergangenheit in deutschen Familien erforschte. Dabei entdeckten die Wissenschaftler, dass rund zwei Drittel der Familienerzählungen Opfer- und Heldengeschichten über die Grosseltern sind, die von der Kinder- und Enkelgeneration nicht nur bereitwillig geglaubt, sondern geradezu eingefordert werden. (mehr …)

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 Hans Werner Henze ist einer der berühmtesten deutschen Komponisten der Gegenwart. Politisch hat er sich als Linker und Antifaschist betätigt. Jetzt legt eine Recherche nahe: Der 1926 geborene Henze war Mitglied der NSDAP.   

Wäre die Erinnerung ein Konzert – so könnte es klingen, das Jüngste Gericht über die deutsche Vergangenheit: «Ein In- und Aufeinander von Schreckensgetön aus der Kindheit, Erinnerungen an Marschlieder und Hymnen, Gassenhauer und Gemeinheiten, Suff. Blitzlichtklänge aus dem riefenstahlschen Nazi-Nürnberg beleidigen uns, den Fanfarenzügen entfährt grelle Ignoranz, das doofe Dur der Angepassten und Mitlaufenden.»   (mehr …)

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