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Posts Tagged ‘Wahlkampf’

Warum der Wahlkampf auch im Internet nicht besser war, aber die Wähler trotzdem davon profitierten

Der beste Platz für einen Politiker, wusste Loriot, ist das Wahlplakat: „Dort ist er tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen“. Dass Plakate auch im Zeitalter von Email und Internet noch Aufmerksamkeit erregen können, zeigte im vergangenen Wahlkampf die CDU-Politikerin Vera Lengsfeld, die mit ihrem Dekolleté und dem der Bundeskanzlerin unter dem Motto „Wir haben mehr zu bieten“ im Berliner Szene-Bezirk Kreuzberg um Stimmen buhlte.

Noch eine Spur krasser plakatierte die Kandidatin der Partei „Die Linke“, Halina Wawzyniak, im gleichen Wahlbezirk. Sie ließ sich von hinten in enger Jeans ablichten. Der sinnfreie Wahlspruch dazu: „Mit Arsch in der Hose in den Bundestag“. Dagegen wirken die farbenfrohen Comic-Plakate schon fast staatstragend, mit denen der grüne Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele seit Jahren das Direktmandat in Kreuzberg erringt.

Der „Busen-Wahlkampf“ (taz) bewies vor allem eins: Erlaubt ist, was Aufmerksamkeit erregt. Konnte der 2002 von der FDP veranstaltete Spaßwahlkampf um das „Projekt 18%“ noch als Ausrutscher gelten, erliegen heute immer mehr Politiker aller Parteien der Versuchung, um jeden Preis auffallen zu wollen. Denn inhaltliche Botschaften spielten im Wahlkampf 2009 kaum noch eine Rolle. Wenn sich selbst die Parteiprogramme nur wenig voneinander unterscheiden, wird der Wahlkampf zum Wahlkrampf und das Medium zur Botschaft. (mehr …)

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Ich fand es ja immer lustig, wer und was sich heute Elite nennt. Da wird der Timmendorfer Strand zum „Catwalk für die Beach-Elite“, während sich in Worms die „Minigolf-Elite“ trifft und die „Trampolin-Elite“ in Barmstedt zusammenkommt. Wie kann man da in Zeiten von Finanzkrise und Reformstau überhaupt noch vernünftig über die „Eliten“ in Politik und Wirtschaft reden? 

Im Wahlkampfjahr 2009 werden Populisten wie Oskar Lafontaine den unweigerlichen Frust über die politische Elite ausnutzen und „die da oben“  bei jeder Gelegenheit anrempeln. Doch bei aller berechtigter Kritik am Reformtempo der Großen Koalition und den Boni-Exzessen der Katastrophen-Banker hat der Populismus von Lafontaine & Co. wenig Aussicht auf Erfolg. Es fehlt ihm an programmatischer Substanz und Realitätssinn.

Der italienische Elitetheoretiker Vilfredo Pareto (1848-1923) sprach einst von einer „Gegen-Elite“, die soziale Konflikte schürt, um die herrschenden Kaste zu stürzen und selbst an die Macht zu gelangen. Wenn Lafontaine fordert, dass große Unternehmen wie Schaeffler und Opel der Belegschaft gehören sollen, mag das melodiös in den Ohren der Arbeitnehmer klingen – aber wie soll das in der Praxis aussehen? Lafontaines Linke: keine Gegen-, sondern eine  Geigen-Elite

Malte Herwigs Buch  „Eliten in einer egalitären Welt“  bestellen

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