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Posts Tagged ‘Weltwoche’

Die Vandalen sind der Inbegriff der Zerstörungswut. Eine grosse Ausstellung in Karlsruhe und eine Reise auf den Spuren des verrufenen germanischen Stammes nach Nordafrika zeigen jetzt: Die Barbaren lebten erstaunlich zivilisiert und manierlich.

Der Schrecken der alten Römer trägt Pilzkopffrisur und Hose. “Ein waschechter Vandale”, freut sich Harald Siebenmorgen und zeigt auf die Überreste eines großen Jagdmosaiks aus dem Karthago des frühen 6. Jahrhunderts, auf dem der dingfest gemachte Barbar wie ein antiker Superheld mit wehendem Umhang von links nach rechts reitet. Kein Wunder, denkt man sich angesichts des flotten Reiters, daß bereits Plinius der Ältere um 70 nach Christus in seiner Naturgeschichte von den “Vandili”, den “Gewandten, Beweglichen” schrieb.

Der Besuch im Nationalmuseum von Bardo in Tunis ist der Höhepunkt einer Reise auf den Spuren der Vandalen, zu der Siebenmorgen gemeinsam mit dem tunesischen Fremdenverkehrsamt geladen hat. Seit 18 Jahren ist er Direktor des Badischen Landesmuseums, unzählige Male hat er das nordafrikanische Land bereist und bereits vor fünf Jahren dem punischen Feldherrn Hannibal eine große Ausstellung gewidmet. Siebenmorgen, so scheint es, hat ein Faible für antike Bösewichte, am 24. Oktober sind die Vandalen dran. Dann beginnt in Karlsruhe die große Landesausstellung, die sich nicht weniger als die Ehrenrettung des übel beleumundeten germanischen Volksstammes auf die Fahnen geschrieben hat. Denn in jüngster Zeit entdecken Kulturhistoriker und Archäologen an dem verrufenen Barbarenstamm zunehmend zivile Seiten. (mehr …)

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Nach Walser, Hildebrandt, Lenz, Luhmann und anderen auch er: Hans Werner Henze. Wie ich vor kurzem in der „Weltwoche“  berichtete, ist in der NSDAP-Kartei im Bundesarchiv eine Mitgliedskarte für den berühmten Komponisten (Jahrgang 1926) aufgetaucht. Klar: man könnte den damals 17jährigen wohl kaum einen Vorwurf daraus machen, dass sie mehr oder weniger freiwillig in die NSDAP  eingetreten sind.

Aber die Reaktionen der Betroffenen wie auch mancher Kommentatoren sind schon interessant: Wenn nicht sein kann, was nicht sein darf, wird gerne schon mal gegen alle Wahrscheinlichkeit (und archivalische Belege) geurteilt, dass es sich bei den Parteimitgliedschaften der prominenten Künstler nur um „Geburtstagsgeschenke“ für Hitler handeln könne. 

Der Wunsch ist offensichtlich Vater des Gedankens, wenn die F.A.Z. sich um den Ruf des „weltweit anerkannten“ Musikers sorgt und hofft, „dass diese ,bösen Geister‘ bald wieder in der Versenkung verschwinden werden„. Soll das heißen, dass man die historischen Aktenfunde lieber ignoriert, anstatt sie zu erforschen?  

Am lustigsten die Argumentation von Franziska Augstein in der Süddeutschen Zeitung. Für die promovierte Leitartiklerin, deren Sozialisierung als Historikerin sich in der Spätphase poststrukturalistischer Beliebigkeitspostulate vollzog, steht fest, dass «eine Quelle unfraglich nur eines besagt: dass sie existiert». Seriöse Quellenkritik sieht anders aus, und für Sammelaufnahmen ohne Wissen der Betroffenen fehlt bisher jeder Beleg. Die Diskussion um die NSDAP-Karteimitglieder hat eher mit Politik zu tun, als mit Geschichtsforschung.

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Vor ein paar Jahren erregte der Sozialpsychologe Harald Welzer mit einer Studie in Deutschland Aufsehen, welche die Verarbeitung der NS-Vergangenheit in deutschen Familien erforschte. Dabei entdeckten die Wissenschaftler, dass rund zwei Drittel der Familienerzählungen Opfer- und Heldengeschichten über die Grosseltern sind, die von der Kinder- und Enkelgeneration nicht nur bereitwillig geglaubt, sondern geradezu eingefordert werden. (mehr …)

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 Hans Werner Henze ist einer der berühmtesten deutschen Komponisten der Gegenwart. Politisch hat er sich als Linker und Antifaschist betätigt. Jetzt legt eine Recherche nahe: Der 1926 geborene Henze war Mitglied der NSDAP.   

Wäre die Erinnerung ein Konzert – so könnte es klingen, das Jüngste Gericht über die deutsche Vergangenheit: «Ein In- und Aufeinander von Schreckensgetön aus der Kindheit, Erinnerungen an Marschlieder und Hymnen, Gassenhauer und Gemeinheiten, Suff. Blitzlichtklänge aus dem riefenstahlschen Nazi-Nürnberg beleidigen uns, den Fanfarenzügen entfährt grelle Ignoranz, das doofe Dur der Angepassten und Mitlaufenden.»   (mehr …)

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